Reichweite von Wein-Online-Medien

Über kaum ein Thema wird so nebulös berichtet und diskutiert, wie über die Reichweite von Onlinemedien im Weinbereich. Verschiedene Messgrößen von verschiedenen Messwerkzeugen werden hier wild durcheinander gewürfelt. Noch abenteuerlicher wird es, wenn Onlinemedien mit Printmedien verglichen werden. Aber dazu in einem späteren Blogbeitrag. Heute bleibe ich mal bei den Onlinemedien.

In der Onlinebranche gibt es klar akzeptierte Standards zur Messung der Verbreitung von Onlinemedien. Alle großen Player, Agenturen und Webseiten verwenden eine klare und eindeutige Terminologie. Die kann diskutiert werden, wird auch diskutiert und wird sich auch weiter entwickeln. Status Quo ist aber, dass es diese Standards gibt und es keinen vernünftigen Grund gibt, sich nicht daran zu halten.

Seit Jahren versuche ich, die Onlinekollegen im deutschsprachigen Weinbereich von der Verwendung von Standards und idealerweise eines transparenten, gemeinsam verwendeten Messverfahrens zu überzeugen. Wenn wir als Onlinemedium ernst genommen werden wollen, müssen wir auch nachvollziehbar und auf Basis von seriösen Zahlen kommunizieren. Leider laufen meine Bemühungen bisher ins Leere. Angst vor Transparenz?

Welche Messgrößen sind standardisiert?

Pageimpressions: Die Zahl der Seiten, die Menschen sich auf einer Webseite in einem gegebenen Zeitraum ansehen. Mehr Infos im Glossar.

Visits: Die Zahl der Besuche durch Menschen, die eine Webseite in einem bestimmten Zeitraum nutzen. Wenn die gleiche Person eine Webseite mehrfach nutzt, zählt jede Nutzung als ein neuer Visit. Mehr Infos im Glossar.

Unique Visits: Die Zahl der eindeutigen Besuche einer Webseite. Mehrfachbesuche durch die gleiche Person zählen nur Einmal. .

Aufenthaltsdauer: Die Zeit, die Menschen insgesamt auf der Webseite verbringen, unabhängig davon wie viele Seiten sie aufrufen.

Alle anderen Messgrößen oder Messverfahren sind schwammig, selbst erfunden, unüblich und dienen weder einer seriösen Abschätzung der Reichweite einer Webseite, noch dienen diese Zahlen einer Vergleichbarkeit innerhalb der Branche oder mit anderen Branchen. Dennoch erfreuen sich Technorati, Wikio, Logfileanalysen, Google-Pagerank und andere Zahlenquellen großer Beliebtheit. Frei nach dem Motto: Ich kommuniziere das, wo ich selbst am besten abschneide.

Welche Messverfahren sind wirklich relevant?

Es gibt viele Methoden, die obigen Zahlen zu messen. Dabei muss man zwischen zwei grundlegenden Verfahren unterscheiden:

Logfileanalyse: Ungenau, unprofessionell und im Ergebnis stark verfälschend. Oft um den Faktor 10-15 höher, als es korrekt wäre

Pixelanalyse: Die übliche, professionelle Methode zur Messung der Reichweite einer Webseite. Gängige Tools die eine Pixelanalyse nutzen sind z.B. Google-Analytics, Etracker, der IVW-Partner und viele andere professionelle Dienstleister. Die Ergebnisse aller Serviceanbieter unterscheiden sich leicht, jedoch stimmt die Größenordnung der Ergebnisse überein.

Eine genauere Beschreibung der Unterschiede finden sich im Glossar.

Wie glaubwürdig und transparent sind die Zahlen?

Wie glaubwürdig und kontrollierbar sind die Zahlen, die von Webseitenbetreibern kommuniziert werden? Kaum jemand ermöglicht Nutzern einen transparenten Zugang zum jeweiligen Messsystem. Ideal wäre hier die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.), die auch im Druckbereich sehr glaubwürdig und zuverlässig die Reichweiten misst und veröffentlicht. Die IVW bietet mit ihrem Partner InfOnline eine seriöse Messung auf Basis der Pixelanalyse an. Leider ist das für die Webseitenbetreiber relativ teuer, so Immer zur Stelle ist der Jackpot City Casino Support. dass sich das wohl kaum durchsetzen wird.

Es gibt aber auch gute Möglichkeiten, die Zahlen selbst abzuschätzen:

  • Google kann Dank der hohen Verbreitung seiner Produkte im Web die Nutzungsintensität von Webseiten schätzen. Hier werden konkret die Zahl der Visits (Besucher) und der Pageimpressions (Seitenabrufe) geschätzt. Zum Tool
  • Alexa hat eine relativ verbreitete Toolbar, die eine halbwegs brauchbare Stichprobe aller Webseitennutzer abdeckt. Alexa erstellt eine weltweite Rangliste aller Webseiten, aufsteigend sortiert nach den geschätzten Seitenabrufen. Rang 1 belegt dabei mit Google.com die weltweit am meisten genutzte Webseite, dann folgt auf Rang 2 Facebook.com, auf Rang 3 Youtube.com, usw. Je höher also der Alexarank, um so weniger wird die jeweilige Webseite genutzt. Zum Tool

Beide Verfahren basieren auf einem Stichprobenverfahren und sind ungenau; jedoch ein grober Anhaltspunkt.

Analyse und Zusammenfassung der Ergebnisse

Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle alle bekannten Wein-Webseiten und die Ergebnisse für die Reichweite in Google und Alexa auflisten. Dazu war ein Vergleich mit den Zahlen geplant, die von den Anbietern selbst kommuniziert werden. Die Abweichungen dazu sind jedoch teilweise so haarsträubend, dass ich auf diesen Vergleich und in zwei Fällen auch auf Namensnennung verzichten möchte. Ich halte den Betroffenen einfach zu Gute, sich selbst im Begriffs- und Zahlenwirrwarr verirrt zu haben.

Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse für die verschiedenen Segmente:

  • Eine Wein-Marketingorganisation behauptet in einer Pressemitteilung, „über fünf Millionen Besucher jährlich“ zu haben. Tatsächlich deuten sowohl Google, als auch Alexa auf ganz andere Zahlen hin, die bei nicht einmal 5 Prozent dieser Zahl liegen. Der Alexarank liegt z.B. bei 403.000, Google schätzt 20.000 Besucher. Werden hier Besucherzahlen mit Seitenabrufen verwechselt?
    Das DWI mit www.deutscheweine.de schlägt sich mit Alexarank 353.000 recht gut.
  • Eine hier nicht namentlich genannte Wein-Plattform wirbt damit, „die stärkst wahrgenommene Internetplattform für unbestechlichen Weinjournalismus im deutschsprachigen Raum“ zu sein. Tatsächlich führt Google die Plattform nicht einmal mit Zahlen auf und der Alexarank 485.000 liegt weit hinter vielen anderen Weinseiten. Zum Vergleich: Wein-Plus liegt auf Rang 84.800, Enobooks.de auf Rang 1.200.000, Mario Scheuermann mit best-of-wine.com auf 2.500.000 und Helmut Knall mit www.wine-times.com auf Rang 4.358.000.
  • Wie intensiv werden Weinblogs genutzt?. www.nikos-weinwelten.de liegt bei Alexarank 234.000 und lt. Google bei ca. 52.000 Seitenabrufen, Der bekannte (und wirklich gute) Blogger Dirk Würtz mit Alexarank 740.000 (keine Google-Zahlen) kurz vor weinverkostungen.de mit Rang 703.000 (ebenfalls ohne Google-Zahlen).
    Hinweis: Ich konnte nur Blogs auswerten, die eine eigene Domain nutzen.
  • Der < Weinhändler Hawesko.de liegt mit Alexarank 71.800 weit vorne, sogar noch vor Wein-Plus (84.800), die Tochter Jacques Weindepot liegt auf Alexarank 140.000. Der österreichische Marktführer Wein&Co kommt auf Alexarank 214.000 und bei Google auf geschätzte 690.000 Seitenabrufe von 70.000 Besuchern.
  • Weinforen verursachen zwar naturgemäß pro Besucher relativ viele Seitenabrufe, dennoch muss sich talk-about-wine.de mit 640.000 und Werner Elflein mit weinfreaks.de mit Rang 1.900.000 zufrieden geben. Das neue Forum dasweinforum.de liegt bei Rang 4.200.000.
  • Wein-Plus.de kommt lt. Google auf 760.000 Seitenabrufe und liegt auf Alexarank 84.800. Auch das liegt übrigens etwas unter den kommunizierten und gemessenen Zahlen, die jedoch auch die englischsprachige Wein-Plus.com einbeziehen.

Alle Zahlen sind gerundet und wurden am 2.2.2011 bei Google und Alexa abgerufen und beziehen sich, wenn nicht anders erwähnt, auf einen Monat.

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7 Antworten auf Reichweite von Wein-Online-Medien

  1. Lieber Herr Grafmann,

    Sie haben es ja wunderbar angemerkt, wichtig sind Messgrößen wie Seitenaufrufe, Besucherzahl und die Dauer des Besuchs. Und diese Zahlen bekommt man am einfachsten aus entsprechenden Tools wie Google Analytics geliefert.

    Die Meinungen über Alexa gehen bei den Fachleuten weit auseinander. Bei großen Webseiten kann man wohl davon ausgehen, dass die Einschätzung recht gut stimmt, bei kleinen, nur regional interessanten Seiten wird Alexa sehr ungenau. In Deutschland etwa, wird die Alexa Toolbar kaum verwendet und somit ist die Datenbasis für Deutschland sehr schmal. Ich hab für meinen Artikel „Die 20 wichtigsten Weinseiten für 2011“ selber auf Alexa zurückgegriffen, um gewisse Daten zu verifizieren. Andererseits beobachte ich gerade wie mein Ranking gerade von 690.000 auf 760.000 abgefallen ist und das bei stark steigenden Zugriffszahlen (lt Google Analytics). Und mit manchen Seiten, wie enobooks.de scheint Alexa ein technisches Problem zu haben…

    Aber ich finde es gut, dass Sie auch viele andere wichtige Seiten in Ihre Betrachtung mit einfließen lassen, denn ich und auch Wikio konnten bisher nur ein Ranking der Weinblogger erstellen.

  2. Guten Abend Herr Grafmann,

    Diese Rankings und Daten sind mir – wie auch an anderen Stellen bemerkt – ziemlich egal. Über alle diese Methoden und deren Bedeutung kann man endlos streiten, weswegen ich da gar nicht erst mit anfangen will. Man kann sich nur fragen, wieso Leute so etwas machen. An anderen Stellen ist so etwas kürzlich ja auch erschienen. Meine Thesen über die Hintergründe dieser Rankings behalte ich lieber für mich.

    Bei dem Absatz über Webblogs scheint mir etwas durcheinander geraten zu sein. Das betrifft die zitierten Zahlen und die jeweils verlinkten Seiten. Heute zeigt Alexa bei weinverkostungen.de Rank 693,938 an. Sei es drum. Aktuelle Google-Zahlen zu den Seitenaufrufen kann ich Ihnen sicherlich gerne zukommen lassen.

  3. Lieber Herr Günther,
    den verkehrten Link habe ich korrigiert. Sorry! Der Text war und ist aber korrekt. Stand aller von mir genannten Zahlen ist, wie auch im Text erwähnt, der 2. Februar 2011. Zwischenzeitlich hat sich der Alexa-Rank von weinverkostungen.de von 703.000 auf jetzt (6. Februar 2011, 17:50 Uhr) 693.938 verbessert.
    Herzliche Grüße
    Utz Graafmann

  4. Hallo Herr Liebert,

    ich teile Ihre Meinung zum Alexa-Rank. Es ist „nur“ eine Hochrechnung einer teilweise relativ kleinen Stichprobengruppe auf die Gesamtheit aller Internetnutzer.
    Durch die, auch von Ihnen zu Recht angesprochene, unterschiedlich starke Verbreitung der Alexa-Toolbar in verschiedenen Regionen dieser Welt und bei verschiedenen Nutzergruppen eignet sich Alexa aus meiner Sicht definitiv nicht für einen Vergleich von z.B. Webseiten in USA und in Westeuropa und auch nicht für einen Vergleich zwischen z.B. technisch orientierten Webseiten und Webseiten über Haustiere.
    Solange der Vergleich aber innerhalb einer vergleichbaren Nutzergruppe und innerhalb einer vergleichbaren Region erfolgt, ist Alexa nach wie vor ein recht gutes Indiz.
    Alexa ersetzt dabei natürlich nicht eine Messung der Reichweite auf Basis der von mir beschriebenden Standards.

    Herzliche Grüße

    Utz Graafmann

  5. Hallo,
    ich sehe die Nutzung dieser Zahlen auch sehr kritisch.
    Was Alexa angeht vor allem auch aus den von Michael Liebert angesprochenen Gründen.
    Gerade für den deutschen Markt, bzw. für auch Deutschland fokusierte Seiten ist der Alexa-Rank eigentlich ohne Aussagekraft.
    Ich habe mir, weil ich neben unserem Weinhandel, auch privat noch einige andere Seiten betreibe, zu anderen Themen, bzw. an einigen anderen Projekten mitarbeite, schon des öfteren die Alexa-Entwicklung im Vergleich zur Entwicklung der tatsächlichen Statistiken mittels Pixelanalyse angesehen. Die Aussagekraft der Alexa-Zahlen tendiert da oftmals gegen 0. Witzigerweise entwickeln sich die tatsächlichen Besucherzahlen häufiger sogar konträr zu den Alexa-Werten als analog.
    Der einzige Wert, den ich gefunden habe, der meist ähnliche Entwicklungen wie die tatasächlichen Werte aufweist ist der Sichtbarkeitsindex nach Sistrix und mit Abstrichen auch die Domain/Page Authority von SEOmoz. Wobei gerade zweites sehr vom Thema der Seite und dem bedienten Markt abhängig ist.

  6. Pingback: Ranking der Weinblogs – Top 20 im Februar 2011 » » Weintipps von Michael Liebert

  7. Maike sagt:

    Hallo,
    sehr interessanter Artikel. Ich beschäftige mich mit dem selben Themengebiet und warte gespannt auf weitere Beiträge dieser Art.

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